H. Kretschmer
Bodenkundlicher Lehrpfad "Ostseeküstensaum Warnemünde"
1. Gebietsübersicht, Wegeverhältnisse
Der einbezogene Küstensaum verläuft in Ost-West-Richtung von der Westmole (Ostbegrenzung) bis Geinitzort (nach dem Geologen Eugen Geinitz, der um die Wende vom 19. zum 20 Jahrhundert in Rostock lehrte) am Westende des NSG Stoltera.Das Lehrpfadgebiet läßt sich untergliedern in den östlichen
Dünenbereich direkt am Stadtgebiet und in den westlichen Geschiebemergelbereich
der Stoltera. In Ost-West-Richtung gibt es uferparallel eine Teilung in den
flachen Uferstreifen (bei Sturmfluten überspült, boden- und vegetationsfrei)
und in den südlich daran anschließenden, etwas erhöhten Vegetationsstreifen
mit Bodendecke. Der Dünenbereich weist eine anspruchslose, artenarme Pflanzengesellschaft
auf, die sich deutlich vom artenreicheren Hochwald der Stoltera mit Strauch-
und Gräserunterschicht abhebt.
Die südliche Begrenzung des Lehrpfades bildet am Dünenbereich die
Strandpromenade und im Stoltera-Hochwald der anschließende Uferweg, beide
geeignet für Wanderer, Rad- und Rollstuhlfahrer. An diesem Weg stehen die
Schautafeln 1 (Bodenbildung allgemein), 2 (Bodenbildung auf Dünen) und
3 (Bodenbildung auf Geschiebemergel). Der Uferstreifen, unverzichtbar für
die Bodenbetrachtung am Stoltera-Kliff, eignet sich nicht für Rollstuhlfahrer.
2. Was ist zu sehen
Die Lehrpfadbegehung beginnt vor dem Dünengebiet
am Hotel Neptun und endet nach ca. 3 km Wegstrecke bei Geinitzort.
Dazu werden 4 Beobachtungspunkte besonders empfohlen.
Beobachtungspunkt 1 am Hotel Neptun, Schautafeln 1
und 2: Blick in nördliche Richtung auf
die Dünen, den Uferstreifen und die offene See. Ausgebaute, in die Dünen
eingeschnittene Strandzugänge lassen im hellgrauen Dünen-Quarzsand
von Fein- und Mittelsandgröße keine Tiefendifferenzierung in Bodenhorizonte
erkennen. Die Bodenbildung ist wegen intensiver Anhäufung von Flugsanden
aus dem vorgelagerten Uferstreifen und - dadurch bedingt - wegen Abschiebens
zu hoher Dünen und Neubepflanzung des Planums mit Strandhafer noch nicht
über das Anfangsstadium des Dünen-Rohbodens hinausgekommen (s. Tafel
2).
Beobachtungspunkt 2: Den Uferstreifen bilden marine Sande aus dem Kliffabbruch
der Stoltera und westlicherer Gebiete. Sie sind hier geschiebefrei und werden
wahrscheinlich seit dem Ende der Litorina-Zeit durch die Strandströmung
nach Osten verlagert. Dadurch entstand eine Sandnehrung mit allmählicher
Abriegelung der ehemaligen Meereseinbuchtung des Breitlings von der offenen
See. Am Beobachtungspunkt überlagert der Sand den liegenden Geschiebemergel
mit 2 - 3 m Mächtigkeit.
Fortsetzung der Wanderung auf dem Uferstreifen in Richtung Westen. Etwa am Beginn des Stoltera-Hochwaldes taucht der Geschiebemergel als Grundmoräne im Vegetationsstreifen auf und bildet westlich des Strandzugangs 28 ein mehrere Meter hohes, noch immer dem Küstenabbruch unterliegendes (aktives) Kliff. Der Uferstreifen-Sand weist inzwischen einen deutlichen Geschiebe-besatz auf, der bis Geinitzort weiter zunimmt.
Beobachtungspunkt 3 mit Tafel 3 am Strandzugang 28:
Vertikale Schichtenabfolge des Geschiebe-mergels: 4 - 6 dm Decksand /
4± dm brauner Geschiebelehm / unterschiedlich
mächtiger hell-brauner Geschiebemergel (Mecklenburger Vorstoß) /
bläulich-grauer älterer Geschiebemergel (Pommersches Stadium und/oder
Saaleeiszeit), Geschiebemergelschichtung
mitunter gestört; über den gesamten Geschiebelehm-/mergel sind Geschiebe
unterschiedlicher Art und Größe unregelmäßig verteilt;
bei Abtrocknung tritt das Polyedergefüge des Geschiebemergels hervor.
Bodenbildung: Im Gegensatz zu den Dünen findet hier die Bodenbildung
mindestens seit dem Ausgang des Spätglazials (ca. 10000-11000 Jahre vor
heute) statt. Daher stehen meist gut entwickelte Böden an. Sie sind überwiegend
der Klasse der Lessivés zuzuordnen. Ihr Oberboden (Ah- und Al-Horizont)
liegt im Decksand, der Unterboden (kräftig brauner Bt-Horizont) in der
oberen Geschiebemergellage, die während der Bodenentwicklung entkalkt wurde
und in braunen Geschiebelehm übergegangen ist. Der Untergrund (C-Horizont
aus Geschiebemergel) zeigt stellenweise eine grau-rostfarbige Marmorierung als
Zeichen einer Pseudovergleyung (Haftvernässung) (Tafel 3).
Beobachtungsstrecke 4 zwischen Gaststätte Wilhelmshöhe und Geinitzort:
Uferstreifen: Der Sand ist stark mit Geschieben bis Findlingsgröße
durchsetzt. Neben Feuersteinen finden sich vor allem Granite (darunter der Geinitzstein
am Geinitzort), Gneise und ältere Sandsteine, teils mit Fossilien. Im Auslaufschwall
der Wellen konzentrieren sich dunkel-violette Schwermineralsande mit hohem Anteil
an Eisen- und Titan-Oxiden.
Am Hochkliff sind deutlich Geschiebemergelstauchwälle aufgeschlossen.
Die "Täler" dazwischen bestehen aus Schmelzwasser- und Flugsanden,
so daß bei ebener Oberfläche engräumig ein starker Bodensubstrat-Kontrast
vorliegt.
Böden: Bei Geschiebemergel-Durchragungen haben sich Lessivés
(Tafel 3), auf Sanden unterschiedlich stark entwickelte Braunerden mit humushaltigem
Oberboden (Ah-Horizont), Verbraunungshorizont (Bv) und Untergrundbereich (C-Horizont)
entwickelt.
3. Sonstiges:
Entlang der Strandpromenade, beginnend am Leuchtturm, und des Uferweges
der Stoltera ist ein astronomischer Lehrpfad eingerichtet.
Ansprechpartner:
H. Kretschmer, Strempelstr. 8, 18057 Rostock e-mail: hrkretschmer@web.de
oder über
Inst. f. Bodenkunde und Pflanzenernährung der Universität Rostock,
Justus-von- Liebig-Weg 6, D-18051 Rostock, peter.leinweber@auf.uni-rostock.de