Moore – die nasse Notwendigkeit der Nachhaltigkeit

Küstenüberflutungsmoor bei Greifswald (Foto: Franziska Schmacka)

Referent:
Prof. Dr. Hans Joosten
Universität Greifswald, Institut für Botanik und Landschaftsökologie

Inhalt:
Obwohl Moore weltweit die Hälfte der Süßwasserfeuchtgebiete darstellen und auf 3% der Erde mehr Kohlenstoff enthalten als alle Waldbiomasse zusammen, wurde ihre Bedeutung hinsichtlich Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen lange übersehen. Entwässerte Moore emittieren momentan fast zwei Gigatonnen CO2 pro Jahr, womit 0,6% der Landfläche der Erde verantwortlich ist für fast 5% aller anthropogenen Treibhausgas-Emissionen. Weltweit wahrscheinlich noch wichtiger ist aber die Moorsackung: Während aufgrund der Erderwärmung der Meeresspiegel ansteigt, werden durch entwässerungsbasierte Nutzung die Moore buchstäblich heruntergewirtschaftet und verlieren – je nach Klima und Nutzung – zwischen einigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern Höhe pro Jahr. Manche Länder werden dadurch in den kommenden Jahrzehnten beträchtliche Flächen produktiven Landes verlieren. Eine auf Entwässerung basierte Moornutzung kostet gesellschaftlich oft mehr als sie bringt. In den letzten Jahren hat Moorwiedervernässung auf globaler Ebene stark an Beachtung gewonnen. Die höchste Priorität und die größten Herausforderungen liegen bei den landwirtschaftlich genutzten Mooren. Bis jetzt wurden diese bei der Wiedervernässung aus der Produktion genommen, aber das werden wir uns – in Deutschland und weltweit – nicht mehr umfassend leisten können. Dringend müssen neue Verfahren entwickelt werden, die die Umweltschäden herkömmlicher Moornutzung vermeiden und es gleichzeitig erlauben, Moore produktiv zu nutzen. Die Vorteile einer nassen Nutzung von Mooren sind volkswirtschaftlich so groß, dass man sich fragt, warum solche „Paludikultur“ nicht schnell und flächendeckend umgesetzt wird. Paludikultur kämpft aber gegen das historische Erbe von 10.000 Jahre „trockener“ Landwirtschaft. Viele der geltenden Regeln und Gesetze sehen „nasse“ Landwirtschaft nicht vor. Paludikultur beinhaltet meist auch eine Neukonzeption der ganzen Produktionskette: von Ausbildung, Gewächsauswahl, Technik, Infrastruktur und Logistik, Produkten bis hin zu integrativen Wertschöpfungskonzepten. Notwendig sind Investitionszuschüsse für „nasse“ Landwirtschaft, die Entwicklung von angepasster Technik und Produktionslinien, gezielte landwirtschaftliche Beratung, die Reduzierung der Förderung von Landwirtschaft auf entwässertem Moor sowie weitere Forschung. Moor muss nass: Fürs Moor, fürs Land, fürs Klima, für immer!

Hans Joosten (1955) studierte Biologie und hat als Wissenschaftler und Politikberater in den Niederlanden gearbeitet. Seit 1996 leitet er die Arbeitsgruppe Moorkunde und Paläoökologie der Universität Greifswald, seit 2008 als Außerplanmäßiger Professor. Schwerpunkt der Forschung seiner Arbeitsgruppe ist die Entwicklung von Paludikulturen, wozu er in 2016 – zusammen mit Wendelin Wichtmann und Christian Schröder- das erste Handbuch publizierte. Hans Joosten ist Generalsekretar der International Mire Conservation Group, der Weltorganisation von Moorschützer, und seit 2009 intensiv involviert in die Klimakonvention UNFCCC und den Weltklimarat IPCC, vor allem bezüglich Emissionen von organischen Böden, und in der Welternährungsorganisation FAO zur Entwicklung von nachhaltigen Landnutzungsstrategien für Moore. In 2013 wurde ihm für sein Projekt „Vorpommern Initiative Paludikultur“ der CULTURA Preis (European Award for Sustainable Land Use) sowie der Deutsche Forschungspreis Nachhaltigkeit verliehen.

Veranstalter:
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät (AUF), Gesellschaft der Freunde und Förderer der AUF & Wissenschaftsverbund IuK

Veranstaltungsort:
Hörsaal JLW8-HSL, Justus-von-Liebig-Weg 8, 18059 Rostock


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