07.01.2019

Standort kommunaler Kläranlagen in Mecklenburg-Vorpommern

Phosphor im Abwasser – vom Schmutzstoff zur wertvollen Ressource
Prof. Dr. Jens Tränckner

Inhalt:
Täglich werden je Einwohner ca. 1 bis 1,5 Gramm Phosphor über das Abwasser emittiert. Je nach spezifischer Abwassermenge entspricht dies Schmutzwasserkonzentration von 10 bis 20 mg/l Phosphor. Zur Erreichung eines guten chemischen Gewässerzustandes liegen die Orientierungswerte für Fließgewässer bei 0,1 bis 0,15 mg/L, in sensiblen Gebieten und Standgewässern noch darunter. Nach einer landesweiten Bilanzierung für das Land Mecklenburg-Vorpommern tragen die kommunalen Kläranlagen noch ca. 100 t/a P (dies sind 18% der gesamten P-Emissionen) in die Oberflächengewässer bei. Eine Ursache hierfür ist die sehr hohe Anzahl kleiner Kläranlagen ohne verbindliche Vorgaben für eine Phosphor-Eliminierung. Entsprechend sind hier neue, kooperative Konzepte zur Verbesserung der P-Eliminierung in kleinen Kläranlagen erforderlich. Auf der anderen Seite ist Phosphor eine wertvolle Ressource. Bundesweit könnten ca. 60.000 t Phosphor aus dem kommunalen Abwasser zurückgewonnen werden und damit einen Großteil der P-Importe substituieren. Zahlreiche Technologien zur P-Rückgewinnung wurden in den letzten Jahren entwickelt, einige davon sind bereits großtechnisch umgesetzt bzw. im Bau. Parallel wurden mit der Novellierung der Klärschlammverordnung auch rechtliche Vorgaben geschaffen, welche das P-Recycling aus Abwasser gebieten. Gemeinsam mit Änderungen im Düngerecht wird erhöht auch in MV den Handlungsbedarf für ein strategisch durchdachtes P-Recycling aus Kläranlagen. Der Vortrag umreißt beide Aspekte des Phosphors in der kommunalen Abwasserreinigung und erläutert den aktuellen Stand, laufende Aktivitäten sowie Forschungsansätze mit Fokus auf Mecklenburg-Vorpommern.

Referent:
Prof. Dr. Jens Tränckner ist Professor für Wasserwirtschaft. Die Professur vertritt in Forschung und Lehre sowohl die Siedlungswasserwirtschaft als auch Fragen der Hydromelioration und der Gewässerbewirtschaftung. Ein besonderes Spezifikum ist die Ausrichtung auf wasserwirtschaftliche Fragestellungen im ländlichen Raum und der Landwirtschaft. In verschiedenen Projekten engagiert sich die Professur in der Reduzierung der Nährstoff-Emissionen über den Abwasserpfad als auch in der Entwicklung von Konzepten und Technologien zur Verbesserung des Phosphor-Recyclings.

Veranstalter:
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät (AUF), Gesellschaft der Freunde und Förderer der AUF und Wissenschaftsverbund IuK