22.10.2018

Phosphormobilisierung durch Mikroorganismen im Wurzelraum, elektronenmikroskopische Aufnahme, Foto: Christel Baum

20 Jahre Phosphorforschung in der Bodenkunde der Universität Rostock – eine Bilanz
Prof. Dr. Peter Leinweber

Inhalt:
Phosphor ist ein essentielles Element in vielen Lebensvorgängen und am Stoffwechsel, Energiehaushalt sowie Vererbungsgeschehen der Zellen aller Lebewesen beteiligt. In der landwirtschaftlichen Produktion wird Phosphat deswegen als wichtiges Düngemittel regelhaft eingesetzt, wobei jedoch beim überhöhten Eintrag in Gewässer unerwünschte Nebenwirkungen wie die Eutrophierung und damit Verschlechterung der Gewässerqualität auftreten können. Da die globalen Phosphorreserven begrenzt sind und zudem in als politisch instabil angesehenen Regionen konzentriert sind, ist eine effizientere Nutzung des eingesetzten Phosphors dringend erforderlich. Diese gesellschaftliche Notwendigkeit hat umfangreiche Forschungsaktivitäten ausgelöst, die Arbeit und Außenwirkung der Bodenkunde an der Universität Rostock geprägt haben und über die überblicksweise und zusammenfassend berichtet wird. Der P-Haushalt degradierter und wiedervernässter Niedermoore stand im Mittelpunkt eines EU-Projektes und wurde mit einem einheitlichen methodischen Ansatz entlang eines Nord-Süd-Gradienten zwischen Schweden und Israel untersucht. Die dabei gewonnenen grundlegenden Erkenntnisse werden aktuell im Rahmen des Projektes WETSCAPES an küstennahen Standorten überprüft und mit verfeinerten Methoden ausgeweitet. Einen großen Platz nimmt die Erforschung der Rolle biogener Bodenkrusten im P-Haushalt von gestörten Standorten ein. Es konnte gezeigt werden, wie stark die Organismengemeinschaften der Biokrusten die anorganischen P-Verbindungen der Sedimente und gestörten Böden angreifen und in mikrobiell umsetzbare organische P-Verbindungen umwandeln. Diese Forschung an biogenen Krusten in enger Kooperation mit der Professur für Allgemeine Ökologie und Phykologie (U. Karsten) bearbeitet Standorte von der europäischen Arktis bis in Extremwüsten (Atacama, Chile) und wird von der DFG im Rahmen zweier Schwerpunktprogramme gefördert. Schließlich wird mit InnoSoilPhos ein 9-Jahresprojekt des BMBF vorgestellt, an dem mehrere Professuren der AUF beteiligt sind. Daraus wird auf der atomaren und molekularen Ebene der P-Bindungen und -umsetzungen insbesondere auf die neuen Erkenntnisse, die sich aus der Kooperation mit der Professur für Theoretische und Molekülphysik (O. Kühn) ergeben haben, eingegangen. Schließlich wird auch der Leibniz-WissenschaftsCampus „P-Forschung Rostock“ als Kooperationsplattform dargestellt und gewürdigt.

Referent:
Prof. Dr. Peter Leinweber leitet seit 1998 die Professur für Bodenkunde an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. Neben den hier vorgestellten Forschungen zu Phosphor in Boden und Umwelt befasst sich die Arbeitsgruppe auch mit Struktur und Umsetzungen organischer Bodensubstanzen sowie Schadstoffwirkungen im Boden.

Veranstalter:
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät (AUF),  Gesellschaft der Freunde und Förderer der AUF und Wissenschaftsverbund IuK