02.11.2020

Darstellung des relativen Anteils der potentiell durch Sturmfluten betroffenen Bevölkerung für die Ostseeanrainer im Jahr 2100 bei Fortsetzung der derzeitigen Bevölkerungsentwicklung; Grafik: Arne Arns

Langfristige Wasserstandsänderungen in der Ostsee: Warum uns die Entwicklung der Antarktis Sorge bereitet!
Jun.Prof. Dr. Arne Arns

Inhalt:
Änderungen des mittleren Meeresspiegels (MSL) sind eine der meistdiskutierten Folgen des Klimawandels. Nach aktuellen Studien könnte der globale MSL im 21. Jahrhundert um mehr als 2,0 m steigen (Bamber et al., 2019). Aus Sicht des Küstenschutzes sind dabei insbesondere die Auswirkungen auf Extremereignisse wie z.B. Sturmfluten relevant. Steigt der MSL, ändert sich hierdurch auch die Basis, auf der Sturmfluten aufsatteln, d.h. Sturmfluten werden zukünftig sowohl höher als auch häufiger auftreten. Weiterhin unklar ist jedoch, wie stark die Änderungen des MSL bis 2100 sein werden. Die Spanne der Projektionen resultiert dabei im Wesentlichen aus sogenannten repräsentativen Konzentrationspfaden (RCPs), d.h. unterschiedlichen Entwicklungen der Treibhausgaskonzentration und des Strahlungsantriebes. In Abhängigkeit dieser Szenarien, lassen sich unterschiedliche Reaktionen in den zugrundeliegenden Meeresspiegelkomponenten auf globaler und regionaler Ebene beschreiben. So zeigen die Analysen für die südwestliche Ostsee, dass insbesondere die Entwicklung des westantarktischen Eisschildes zu einem starken Anstieg des regionalen MSL – und damit von lokalen Sturmfluten – führen könnte. Im Rahmen des Vortrages werden die Beiträge der einzelnen Meeresspiegelkomponenten (d.h. Gletscher, postglaziale Landbewegungen, Grundwasser, Antarktis, Grönland, Ozean) und deren Einfluss auf Sturmfluten erläutert. Mit Hilfe globaler Impactanalysen werden darüber hinaus die sozio-ökonomischen Konsequenzen der Einzelbeiträge für die Deutsche Nord- und Ostseeküste im Jahr 2100 abgeschätzt. 

Referent:
Dr. Arne Arns ist seit März 2020 Professor für Küstenschutz und Küstendynamik an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. Die Arbeiten des Lehr- und Forschungsgebietes zielen auf den Schutz küstennaher Lebens- und Wirtschaftsräume gegen Überflutungen und Küstenerosion, insbesondere unter Berücksichtigung klimatisch bedingter Veränderungen. Hierzu gehören multivariate (extremwert-)statistische Auswertungen von hydrometeorologischen Belastungsgrößen (Wasserstand, Seegang, Abfluss), die Entwicklung geeigneter Bemessungsansätze sowie die Kombination numerischer und statistischer Methoden.

Veranstaltungsort:
Hörsaal JLW8-HSL, Justus-von-Liebig-Weg 8, 18059 Rostock