Fang- und Verlademethoden von Masthühnern – wie können Ergebnisse aus der Forschung zur Entwicklung tiergerechter Methoden beitragen?
Prof. Dr. Helen Louton

Fangmaschine im Masthühnerstall, Foto: Helen Louton

Inhalt:
Das Fangen und Verladen von Masthühnern, sowie der Transport zum Schlachthof kann bei den gefangenen Tieren zu Verletzungen, Todesfällen und Stress führen. Dieser Prozess ist einer der am wenigsten automatisiertesten in der Erzeugung von Geflügelfleisch, nur ca. 5% der deutschen Masthühner werden aktuell mittels automatisierter Fangmethoden gefangen und auf einen Transporter zum Schlachthof verladen. In Deutschland wurden im Jahr 2015 972.000 Tonnen Jungmasthühner mit einem durchschnittlichen Schlachtgewicht von 1,55 kg geschlachtet. Dies bedeutet, dass im Jahr 2015 627.096 Millionen Hühner zur Schlachtung transportiert und zuvor verladen wurden. Auf Basis dieser Hochrechnung werden ca. 31 Millionen Masthühner pro Jahr in Deutschland mit einer Fangmaschine verladen. In Mecklenburg-Vorpommern werden aktuell im Jahr ca. 8 bis 9 Millionen Masthühner gemästet und verladen. In mehreren, von unserer Arbeitsgruppe durchgeführten, Forschungsprojekten wurden verschiedene Verlademethoden (manuelle und maschinelle) von Masthühnern in Bezug auf das Verletzungsrisiko und das Verhalten der Tiere untersucht. Mögliche Verletzungen sind insbesondere Hämatome und Frakturen, wobei der Flügel der Tiere häufiger betroffen ist als der restliche Körper. Faktoren, die die Häufigkeit von Verletzungen beeinflussen können, wurden in beiden Teiluntersuchungen erhoben. Hierzu zählten unter anderem die Bedingungen während der Verladung wie zum Beispiel die Lichtintensität, der Geräuschpegel und die Beladedichte in den Transportcontainern. Aber auch die Anzahl beteiligter Personen, die Verladedauer und tierbezogene Parameter wie Gewicht und Geschlecht der jeweiligen Tiere wurden erfasst, ebenso wie Parameter des Verhaltens der Tiere wie das Flügelschlagen, Anschlagen am Container sowie die Methode des Absetzens im Verladecontainer.

Im Vortrag wird auf die Prävalenz von fangbedingten Verletzungen und Abwehrverhalten bei den verschiedenen Verlademethoden eingegangen und mögliche Faktoren, die einen Einfluss auf die Verletzungsrate und das Verhalten haben können, dargestellt. Anhand der Erkenntnisse aus abgeschlossenen Forschungsprojekten können Empfehlungen für die tiergerechte Verladung von Mastgeflügel abgeleitet und neue, innovative Projekte initiiert werden.

Referentin:
Prof. Helen Louton ist Professorin für Tiergesundheit und Tierschutz, Fachtierärztin für Tierschutz sowie für Tierhygiene und Tierhaltung. Die Professur vertritt in der Lehre die Tiergesundheitslehre unter anderem mit den Teilgebieten Anatomie und Physiologie, Umwelthygiene, Tierhygiene, Tierseuchen- und Fortpflanzungslehre und Tierschutz. Der Forschungsschwerpunkt der Professur liegt bei der Erfassung, Validierung und Anwendung von Tierschutzindikatoren bei landwirtschaftlichen Nutztieren, sowie der Beurteilung und Entwicklung von tiergerechten Haltungsmethoden. Tiergerechte Verlademethoden für Masthühner sind einer dieser Aspekte. Dabei steht der Vergleich verschiedener Methoden, wie zum Beispiel die maschinelle und manuelle Verladung im Fokus, aber auch die Weiterentwicklung der jeweiligen Methoden wurden und werden bearbeitet.

Veranstaltungsort:
Hörsaal JLW8-HSL, Justus-von-Liebig-Weg 8, 18059 Rostock