Kuba Dezember 2025
Ein weiterer Projekt-Workshop führte die Beteiligten Anfang Dezember 2025 an die Universität von Granma nach Bayamo in Kuba.
Nach einem internen Treffen der Projektleitung zum Auftakt präsentierten Forscherinnen und Forscher aus Kuba, Äthiopien, Ecuador und Deutschland ihre Ergebnisse zu verschiedenen Themenschwerpunkten.
Biodiversität und innovatives Anbaumanagement
Im Fokus standen Strategien zur Erhöhung der Resilienz von Nutzpflanzen gegenüber Umweltstress sowie die Optimierung von Bodenindikatoren in Agroforstsystemen.
- Carlos Amador (UDG, Kuba): Wirkung der QuitoMax-Anwendung im Tomatenanbau sowie potenzielle Nutzungen bei wenig genutzten Pflanzenarten.
- Irisneisy Paz (UDG, Kuba): Bewertung morphometrischer, physiologischer und Biomasse-Indikatoren bei Ökotypen von Cashew.
- Hector Hernández (UCLV, Kuba): Einfluss des Managements auf Bodenindikatoren, welche die Qualität von wenig genutzten Pflanzenarten in Agrarökosystemen bestimmen.
- Orelvis Portal (UCLV, Kuba): Phosphor-mobilisierende Bakterien als Bioinokulanzien zur Förderung des Pflanzenwachstums.
Heilpflanzen und biotechnologische Potenziale
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Verbindung von traditionellem Wissen und moderner Wissenschaft, insbesondere bei der Entwicklung von Nutrazeutika aus wenig genutzten Pflanzenarten.
- Silvia Llerena (IKIAM, Ecuador): Von der Kichwa-Tradition zum biotechnologischen Potenzial: Biologische und phytochemische Studie von Fittonia albivenis, Carludovica palmata und Hypolepis parallelogramma.
- Karel Dieguez (IKIAM, Ecuador): Oenocarpus bataua als Modell einer wenig genutzten Pflanzenart für die Entwicklung von Nutrazeutika gegen Diabetes.
- L. Lázaro E. Valdés (UDG, Kuba): Antioxidative Aktivität von Morus alba.
- Maria Carvajal Mena (UDG, Kuba): Antidiabetisches Potenzial und phenolische Zusammensetzung von Roystonea regia-Wurzeln.
- Elizabeth Pérez (UDG, Kuba): Histochemische Charakterisierung endemischer Arten des Pico Bayamesa Parks.
Materialforschung und Ressourcenmanagement
Neben der Biologie wurde auch die technische Nutzung von Pflanzenresten sowie die ökologische Überwachung von Wasserressourcen thematisiert.
- Elio Macias (UDG, Kuba): Extraktion von Nanozellulose aus Hülsen von Canavalia ensiformis für die Produktion von Filamenten für den 3D-Druck.
- Rubén R. Estrada (UDG, Kuba): Bewertung der Wasserqualität im Bayamo-Flusseinzugsgebiet.
Der Workshop endete mit einem praktischen Tag in den „Living Labs“ der Region.
In den Fincas „La Victoria“ und „Reinier“ (Provinz Camagüey) stellten Studierende Projekte zur organischen Produktion von Cashew- und Mangosetzlingen, zur Herstellung von Wurmhumus sowie zur solaren Trocknung von Gewürzen vor.
Diese praxisnahen Demonstrationen verdeutlichten den Mehrwert des UnderPlaNet-Netzwerks für die regionale Entwicklung.
Exkursionsbericht
Im Anschluss an den wissenschaftlichen Workshop führte eine dreitägige Exkursion die Projektpartner durch verschiedene Provinzen Kubas.
Ziel war es, die theoretischen Ansätze des UnderPlaNet-Projekts direkt in der landwirtschaftlichen Praxis zu begutachten und den Austausch über wenig genutzte Pflanzenarten mit lokalen Akteuren zu vertiefen.
Küsten-Agroforstwirtschaft und Diversität
Die Reise begann mit einer Fahrt von Bayamo in den Norden der Provinz Camagüey zur Playa Santa Lucia. Hier lag der Fokus auf Küsten-Agroforstsystemen. Diese Systeme sind für den Küstenschutz und die nachhaltige Nutzung in subtropischen Regionen von entscheidender Bedeutung.
Der direkte Bezug zu den Forschungsfeldern der Universität Rostock – insbesondere der Agroforstwirtschaft in Küstenregionen – wurde hier besonders deutlich, da standortspezifische Lösungen für salzhaltige Böden im Mittelpunkt standen.
Agrotourismus und lokale Innovation
Am zweiten Tag führte der Weg in die Provinz Ciego de Ávila zum Agrotourismus-Projekt „La María“ in der Nähe von Morón. Dieses Projekt dient als hervorragendes Beispiel für die Verbindung von nachhaltiger Landwirtschaft und lokaler Wertschöpfung.
Die Teilnehmer konnten vor Ort besichtigen, wie die Integration von wenig genutzten Pflanzenarten in touristische Konzepte nicht nur die Biodiversität erhält, sondern auch ökonomische Perspektiven für die ländliche Bevölkerung schafft.
Von Kleinbauern bis zur akademischen Vernetzung
Der letzte Tag der Exkursion war geprägt von Besuchen bei verschiedenen Kleinbauern auf dem Weg nach Santa Clara. Diese Stopps bei kleinen Farmen ermöglichten einen tiefen Einblick in die kleinstrukturierte Landwirtschaft Kubas. Es wurde deutlich, wie essenziell die Erhaltung lokaler Sorten und die Nutzung von wenig genutzten Pflanzenarten für die Resilienz der Betriebe ist. Die Reise endete in Santa Clara, einem wichtigen akademischen Knotenpunkt, was den Grundstein für die weitere Konsolidierung des UnderPlaNet-Netzwerks im Jahr 2026 legte.
Durch die Kombination aus wissenschaftlichem Diskurs und praktischer Anschauung vor Ort konnte die Exkursion den direkten Zusammenhang zwischen dem Schutz der Biodiversität und einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklung in Kuba erfolgreich aufzeigen.



